Erste Hilfe beim Haustier: Was du im Notfall tun kannst
Jede Minute zählt!
Veröffentlicht am
16.2.2026
Erste Hilfe beim Haustier: Was du im Notfall tun kannst
Ein Moment, den niemand erleben will: Der Hund jault auf, die Katze bekommt schlecht luft, du merkst sofort: das ist ein Fall in der man sofort handeln muss. In solchen Situationen entscheidet nicht Perfektion, sondern Ruhe, ein klarer Ablauf und die richtigen Sofortmaßnahmen, bis tierärztliche Hilfe übernimmt. In diesem Blogbeitrag geben wir dir praxisnahe Erste-Hilfe-Schritte für Hund und Katze, basierend auf veterinärmedizinischen Empfehlungen.
Das Wichtigste zuerst: 3 Grundregeln im Notfall
Bevor du im Notfall handelst, helfen dir drei einfache Grundregeln dabei, ruhig zu bleiben und die richtigen Prioritäten zu setzen.
Eigenschutz vor Tierhilfe Schmerz und Angst können auch das liebste Tier schnappen lassen. Halte Abstand zum Maul, sprich ruhig, sichere den Transport.
Erst Tierarzt/Notdienst kontaktieren, dann handeln – wenn möglich Wenn du kurz telefonieren kannst: Symptome schildern, nächste Schritte abholen. In Österreich hilft dir der tierärztliche Notdienst bei der Einordnung.
Stabilisieren statt „zu Ende behandeln“ Erste Hilfe soll Zeit gewinnen und verschlimmern verhindern – nicht die Diagnose ersetzen.
Im Notfall zählt jede Minute.
Erste Hilfe Schritt für Schritt: Die häufigsten Notfälle
Im Notfall zählt jede Minute – mit klaren, einfachen Schritten kannst du Ruhe bewahren und deinem Tier gezielt helfen, bis professionelle Unterstützung übernimmt. Folgende Situationen erfordern sofortiges Handeln:
Atemnot, starkes Hecheln, bläuliche Schleimhäute
Bewusstlosigkeit / Kollaps
Krampfanfälle
starke Blutung
Verdacht auf Vergiftung
Hitzschlag
Katze setzt keinen/kaum Harn ab (v. a. Kater!)
1) Dein Tier wirkt apathisch oder bricht zusammen
Was du tun kannst:
In Sicherheit bringen (weg von Straße, Treppe, Gefahrenquellen)
Ruhig ansprechen, Atmung beobachten
Warm halten (Decke), aber nicht überhitzen
Rasch Tierarzt/Notdienst kontaktieren und Transport vorbereiten
2) Starke Blutung / offene Wunde
Ziel: Blutung stoppen, bis ihr in der Praxis seid.
Direkten Druck mit sauberem Tuch/Kompressen auf die Wunde
Wenn das Tuch durchblutet: nicht abnehmen, sondern weiteres Tuch oben drauf und Druck halten
Keine „Hausmittel“ in die Wunde, nicht hektisch spülen bei starker Blutung
Sofort tierärztlich vorstellen
3) Verschlucken / Würgen / „Erstickt er gerade?“
Wichtig: Nur handeln, wenn wirklich akute Luftnot besteht – und vorsichtig, um nichts tiefer zu schieben.
Maul öffnen, Zunge vorsichtig nach vorne, nur sichtbaren Fremdkörper entfernen (Achtung Bissrisiko)
Wenn das Tier weiterhin keine Luft bekommt: je nach Größe Bauchstöße (Heimlich-ähnlich) – idealerweise mit Anleitung/Training
Danach immer tierärztlich abklären (Reizung, Reststücke, Folgeschäden)
4) Hitzschlag (Sommer, Auto, Sport, Maulkorb, hohe Luftfeuchte)
Ein Hitzschlag ist ein echter Notfall.
Sofortmaßnahmen:
In einen kühlen, gut belüfteten Bereich (Ventilator/AC hilft)
Mit Wasser kühlen (kühles/raumtemperiertes Wasser, dann Luftbewegung = Verdunstungskälte)
Kleine Schlucke Wasser anbieten – nicht zwingen
Parallel: Notdienst kontaktieren und losfahren Fachquellen betonen, dass kühlen + schnelle tierärztliche Versorgung entscheidend sind.
5) Vergiftung (z. B. Medikamente, Reinigungsmittel, Pflanzen, Köder)
Das Wichtigste: Nicht raten – gezielt Infos liefern.
Wenn möglich: Substanz sichern (Foto, Verpackung, Menge, Zeitpunkt)
Nach dem Anfall: ruhig, dunkel, wenig Reize – dann tierärztlich abklären
7) Katze/Kater setzt keinen Harn ab
Gerade bei Katern kann ein Harnröhrenverschluss lebensbedrohlich werden.
Wenn die Katze häufig aufs Klo geht, presst, miaut, nur Tropfen oder nichts kommt: Notfall
Nicht abwarten bis morgen
Sofort Tierarzt/Notdienst kontaktieren
Damit du im Ernstfall nicht erst suchen oder überlegen musst, lohnt sich eine kurze Vorbereitung im Alltag. Speichere die wichtigsten Notfallnummern – deinen Tierarzt, den tierärztlichen Notdienst und die nächstgelegene Tierklinik – direkt im Handy ab. Sorge dafür, dass der Transport schnell möglich ist: Für Katzen sollte eine stabile Transportbox griffbereit stehen, für Hunde eine Decke und eine gut sitzende Leine. Ein kleines Notfallset kann ebenfalls wertvolle Minuten sparen. Dazu gehören sterile Kompressen, Mullbinden, Einweghandschuhe, ein Digitalthermometer, eine Zeckenzange, Kochsalzlösung und eine Schere. Einmal im Jahr kurz zu überprüfen, wo alles liegt und ob etwas ergänzt werden muss, schafft zusätzliche Sicherheit.
Wenn ein Tier leidet, wird aus Wissen schnell ein Gefühl aus Angst, Schuld oder Überforderung. Ein klarer Erste-Hilfe-Plan nimmt dir diese Sorge nicht vollständig, aber er gibt dir Handlungsfähigkeit. Und genau diese Handlungsfähigkeit ist in entscheidenden Minuten oft das Wertvollste, was du deinem Tier geben kannst.