Eicheln, Rosskastanien und Pilze können für Hunde im Herbst zum Risiko werden. Erfahre, worauf du beim Spaziergang achten solltest und was zu tun ist, wenn dein Hund doch einmal etwas frisst.

Bunte Blätter, kühlere Temperaturen und endlich wieder lange Spaziergänge ohne Sommerhitze: Der Herbst ist für viele Hunde und ihre Menschen eine der schönsten Jahreszeiten.
Doch während wir Kastanien sammeln und durch raschelndes Laub spazieren, liegt für unsere Vierbeiner einiges am Boden, das besser nicht im Maul landen sollte. Eicheln, Rosskastanien und wild wachsende Pilze gehören zu den typischen Herbstfunden – und können für Hunde gesundheitliche Probleme verursachen.
Das bedeutet nicht, dass der nächste Waldspaziergang zum Gefahrenparcours wird. Wer weiß, worauf er achten sollte, kann die gemeinsame Zeit draußen ganz entspannt genießen.
Für manche Hunde sind Eicheln das perfekte Spielzeug: Sie rollen, lassen sich herumtragen und liegen im Herbst praktisch überall.
Fressen sollten Hunde sie allerdings nicht. Eicheln enthalten Gerbstoffe, sogenannte Tannine, die insbesondere in größeren Mengen Magen-Darm-Beschwerden verursachen können. Hinzu kommt ein ganz praktisches Problem: Verschluckte Eicheln können – insbesondere bei kleineren Hunden – im Verdauungstrakt stecken bleiben und schlimmstenfalls einen Darmverschluss verursachen.
Mögliche Beschwerden nach dem Fressen von Eicheln sind:
Hat dein Hund eine einzelne Eichel kurz im Maul und lässt sie wieder fallen, besteht natürlich noch kein Grund zur Panik. Hast du aber gesehen, dass er Eicheln gefressen hat – insbesondere mehrere –, solltest du sicherheitshalber tierärztlich nachfragen.
Hier lohnt sich eine wichtige Unterscheidung.
Wenn wir bei der Herbstgefahr von „Kastanien“ sprechen, sind vor allem Rosskastanien gemeint – also jene glänzend braunen Früchte, die im Herbst unter Rosskastanienbäumen liegen.
Rosskastanien enthalten unter anderem den problematischen Pflanzenstoff Aesculin. Nach dem Verzehr können Speicheln, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen auftreten. Außerdem können ganze Rosskastanien oder Teile ihrer stacheligen Hülle einen Darmverschluss verursachen.
Esskastanien bzw. Maroni sind botanisch etwas anderes als Rosskastanien. Die typische Herbstgefahr beim Spaziergang betrifft also nicht die Maroni vom Markt, sondern die Früchte der Rosskastanie.
Und auch wenn dein Hund Rosskastanien begeistert apportiert: Besser einen Ball oder ein anderes Spielzeug verwenden. So entsteht gar nicht erst die Gewohnheit, Kastanien ins Maul zu nehmen.
Pilze sind komplizierter.
Viele Arten sind ungefährlich, andere können dagegen schwere Vergiftungen verursachen. Das Problem: Selbst für Menschen ist die sichere Bestimmung nicht immer einfach – und bei einem halb zerbissenen Pilz wird sie noch schwieriger.
Je nach Art können Pilzgifte beispielsweise den Magen-Darm-Trakt, das Nervensystem, die Leber oder die Nieren schädigen. Bei manchen gefährlichen Arten treten Beschwerden zudem erst Stunden nach dem Fressen auf. Nur weil dein Hund zunächst völlig normal wirkt, lässt sich eine Vergiftung deshalb nicht sicher ausschließen.
Die einfachste Regel für den Alltag lautet daher:
Wild wachsende Pilze gehören nicht ins Hundemaul.
Das gilt im Wald genauso wie im eigenen Garten. Besonders nach feuchtem Wetter können Pilze innerhalb kurzer Zeit auftauchen.
Hier solltest du nicht erst darauf warten, ob Symptome auftreten.
Kontaktiere möglichst rasch deinen Tierarzt oder eine Tierklinik und beschreibe, was passiert ist. Wenn möglich, notiere dir außerdem, wann und ungefähr wie viel dein Hund gefressen hat.
Besonders hilfreich:
VCA empfiehlt bei unbekannten Pilzen ebenfalls Fotos aus mehreren Perspektiven und – wenn möglich – eine Probe zur Identifizierung. Entscheidend ist trotzdem, die tierärztliche Behandlung nicht durch eine lange Pilzbestimmung zu verzögern.
Je nachdem, was dein Hund aufgenommen hat, können die Symptome sehr unterschiedlich aussehen.
Achte insbesondere auf:
Bei solchen Beschwerden solltest du sofort tierärztliche Hilfe suchen. Bei Pilzvergiftungen können die Symptome je nach Giftstoff sehr schnell auftreten oder mehrere Stunden verzögert beginnen.
Manche Hunde laufen an einer Eichel vorbei, ohne sie überhaupt wahrzunehmen. Andere betrachten den Waldboden als Buffet.
Gerade bei diesen Vierbeinern lohnt es sich, im Alltag am Thema „Aus“ beziehungsweise „Lass es“ zu arbeiten. Nicht erst dann, wenn bereits etwas Gefährliches im Maul steckt, sondern zunächst in einer kontrollierten Umgebung mit ungefährlichen Gegenständen und positiver Verstärkung.
Beim Spaziergang helfen außerdem ein paar einfache Maßnahmen:
Bei Hunden, die draußen kaum davon abzuhalten sind, Dinge aufzunehmen, kann nach fachkundiger Gewöhnung auch ein gut sitzender Korbmaulkorb zusätzlichen Schutz bieten. Er sollte dem Hund weiterhin Hecheln und Trinken ermöglichen und positiv aufgebaut werden. Auch veterinärmedizinische Tierschutzorganisationen nennen einen Korbmaulkorb als mögliche Sicherheitsmaßnahme für ausgeprägte „Scavenger“.
Beim Spaziergang lohnt sich generell ein etwas genauerer Blick auf den Boden. Zu den weiteren saisonalen Gefahren gehören beispielsweise Herbstzeitlose und Eiben, die für Haustiere giftig sein können. Auch stehendes oder auffällig verfärbtes Wasser sollte tabu sein: Blaualgen können für Hunde hochgefährlich sein und kommen je nach Wetterlage auch im frühen Herbst noch vor.
Es geht dabei nicht darum, bei jedem Spaziergang nervös zu werden. Meist reicht es völlig, typische Risiken zu kennen und zu verhindern, dass der Hund unbekannte Dinge frisst.
Der Herbst gehört nach draußen. Ins Laub springen, Waldwege erkunden, neue Gerüche entdecken – all das soll deinem Hund natürlich weiterhin Spaß machen.
Eicheln, Rosskastanien und Pilze zeigen aber sehr schön, warum ein bisschen Aufmerksamkeit beim Spaziergang viel bewirken kann. Und wenn doch einmal etwas im Hundemaul landet, gilt vor allem: nicht in Panik geraten, aber auch nicht einfach abwarten.
Im Zweifelsfall kurz beim Tierarzt nachzufragen ist die sicherere Entscheidung – damit aus dem Herbstspaziergang möglichst nur eines mit nach Hause kommt: ein glücklicher und angenehm müder Vierbeiner.
